Schnitt der ersten Berliner Markthalle von Friedrich Hitzig, TU Berlin Architekturmuseum

Architekturfragment der ersten Berliner Markthalle und des alten Friedrichstadt-Palastes

Prof. Friedrich Hitzig (1811–1881) erbaute 1867 die erste Berliner Markthalle. Nach Umbauten erfolgte die Nutzung als Zirkus und Neues Olympia-Riesentheater. Im Auftrag von Max Reinhardt entwarf der Architekt Hans Poelzig auf diesen Fundamenten das legendäre Große Schauspielhaus (im Volksmund Tropfsteinhöhle genannt), das am 29. November 1919 mit der Orestie von Aischylos eröffnet wurde.

 

Von den Nationalsozialisten zur entarteten Architektur erklärt, 1934 umbenannt in Theater des Volkes und 1938 umgebaut, wurde es im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört, durch die Artistin Marion Spadoni jedoch bereits im Sommer 1945 als Palast Varieté wiedereröffnet. 1947 wurde das Haus von der sowjetischen Militäradministration dem Berliner Magistrat überantwortet und in Friedrichstadt-Palast umbenannt.

Alter und neuer Friedrichstadt-Palast
Links im Bild: Der alte Friedrichstadt-Palast/das Große Schauspielhaus. Rechts im Bild: Der neue Friedrichstadt-Palast
(Fotograf unbekannt/Schwarz-Weiß-Foto koloriert von Gero Konietzko)

Der alte Palast musste 1980 wegen Baufälligkeit geschlossen werden. An seiner Stelle wurde der neue Friedrichstadt-Palast an der Friedrichstraße 107 errichtet. Beim Abriss des Großen Schauspielhauses/Friedrichstadt-Palastes (1984– 1985) kam die Architektur des Baues von Hans Poelzig ebenso wie die der Markthalle von Friedrich Hitzig zum Vorschein.

 

Ostfassade des alten Friedrichstadt-Palastes bei Abriss 1985 mit sichtbarem Architekturfragment
(Fotograf Siegfried Stolpmann)

Abriss alter Friedrichstadt-Palast

Der Architekt Dr. Helmut Maier (damals Berlin-West) erwarb dieses Architekturfragment 1985 nach Verhandlungen mit den DDR-Behörden, bei der Auswahl vor Ort half ihm der zuständige Oberbauleiter für den Neubau des Palastes, Jürgen Ledderboge. Maier transportierte das Teil auf einem Tieflader nach Berlin-Kreuzberg und ließ es auf einem Hinterhof an der Fassade anbringen.

 

Architekt Dr. Helmut Maier, Verwaltungsdirektor & Kurator des Palastes Guido Herrmann und der damalige Oberbauleiter Jürgen Ledderboge
(Fotograf Dennis Weinbörner)

Dort geriet es weitgehend in Vergessenheit und wurde durch Zufall im Jahr 2016 von Guido Herrmann wiederentdeckt. Gemeinsam mit Dr. Helmut Maier, den Künstler*innen Oliver Störmer und Cisca Bogmann (die auch das Denkzeichen für die Gründer des Theaters an der Friedrichstraße entworfen haben) und dem Friedrichstadt-Palast wurde das Artefakt in den Berliner Bildhauerwerkstätten restauriert.

 

Fragment der alten Markthalle in einem Kreuzberger Hinterhof in der Stresemannstraße (1985–2016)
(Fotograf Guido Herrmann/Archiv Friedrichstadt-Palast)

Artefakt Fund in Kreuzberger Hinterhof
Aufarbeitung Artefakt
Aufarbeitung des Markthallenfragments in der Werkstatt, 2019
(Archiv Friedrichstadt-Palast)

 

Anlässlich der Jubiläumsspielzeit ,Ein Jahrhundert Palast: 1919–2019’ wurde es am 17. September 2019 an diesem Ort und in der Nähe seines ursprünglichen Standortes wieder der Öffentlichkeit übergeben.

 

Ein Zeugnis der Berliner Architektur- und Theatergeschichte ebenso wie für ein bewegtes Jahrhundert.

 

Artefakt an heutigem Standort

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