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Steffen Liebsch, Stage Management

2. Stage Manager | seit 1999 am Palast

„Als Stage Manager bin ich Vermittler zwischen Kunst und Technik. Wir sind zu viert im Team und bei jeder Vorstellung abwechselnd als Caller, erster und zweiter Floater beschäftigt: Der Caller sitzt am Pult, die Floater flitzen durch die Kulissen, alle sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Show. Ich arbeite auf allen Positionen gern, so bleibt die Arbeit abwechslungsreich. Gestern Abend war ich erster Floater, assistierte dem Caller, überwachte die Verwandlungen auf der Bühne und prüfte, ob die Künstler*innen auf Position und pünktlich zum Auftritt bereitstanden.

 

Seit 1999 arbeite ich am Palast: 13 Jahre als Tänzer und seit 2012 als Stage Manager. Zum Tanzen kam ich wie die Jungfrau zum Kind 😃 Nur durch Zufall begleitete ich damals meine Freundin zum Vortanzen für die Kindertanzklasse. Ob Zufall oder Schicksal: Tanzen wurde meine große Leidenschaft. Nach der Ausbildung an der Staatlichen Ballettschule Berlin stand für mich fest, dass ich mein Glück am Palast versuchen würde. In welchem anderen Theater hat man sonst die Möglichkeit, so viele verschiedene Tanzstile – vom klassischen Ballett, Jazz, Modern, Stepp bis hin zu Contemporary – auf der Bühne zu zeigen? (außer Hip-Hop… das lag mir nicht so) Meine Körpergröße von 1,87 m kam mir natürlich in diesem Haus auch zugute.

 

Noch während ich tanzte, habe ich oft unserer Stage Managerin Marlies über die Schulter geschaut. Ich fand es immer wahnsinnig spannend zu sehen, wie sie ihre Kommandos gab und durch die Show führte. Als man mir dann den Job im Stage Management anbot, kam es mir vor wie ein Sechser im Lotto. Nach rund 4.500 Vorstellungen war für mich die perfekte Zeit für eine Job-Veränderung gekommen. Ich vermisse die Bühne nicht, ich habe sie ja jeden Abend.

 

Als Floater bin ich Augen und Ohren des Callers und über Headset als auch Funkgerät mit der/dem Kolleg*in sowie der Bühnentechnik verbunden. Gibt es einen Umbau an einem nicht einsehbaren Ort, bekommt der Caller von mir ein Freizeichnen, sobald die Bühne fertig ist. Aus Neugier habe ich mal mit Hilfe eines Schrittzählers den Weg gemessen, den man während einer Vorstellung zurücklegt: 5 km – an Tagen mit Doppelvorstellung 10 km! Um nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf fit zu halten, studiere ich neben der Arbeit Kulturwissenschaften (Hauptfach ‚Geschichte, Nebenfach ‚Literatur‘) an der Fernuniversität Hagen.“

 

Foto: Dennis Weinbörner

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