Blog

Nina Werner, Kostüm

Schuhmacherin | seit 2014 am Palast

„Wo drückt der Schuh? Bei insgesamt 500 Paaren Tanzpumps, High Heels, Stiefeln etc. in einer Show kannst du dir sicher sein, dass es hier und da mal zwickt. Als Schuhmacherin am Palast statte ich im Team unsere 100 Künstler*innen mit extravaganter Fußbekleidung aus. Dazu kaufen wir Konfektionsschuhe ein und passen diese an die individuellen Bedürfnisse und Vorgaben des Kostümdesigners an. Da wird genäht, gehämmert, gelocht, geschliffen und verziert. Unser Ziel: tolle Effekte auf der Bühne kreieren!

 

Schuh-begeistert war ich eigentlich schon immer, doch brauchte es ein paar Umwege, bis ich meine Leidenschaft zum Beruf machte. Als Kind und Jugendliche war ich zwölf Jahre am Ballettzentrum des Pforzheimer Stadttheaters und wollte Tänzerin werden. Nach einem Austauschjahr in New Jersey studierte ich jedoch Nordamerikastudien in Berlin mit der Intention, später als Journalistin zu arbeiten. Aber wenn ich ehrlich bin, war ich mehr feiern als an der Uni 😉

 

Eines Tages stand ich mal wieder deprimiert im Schuhgeschäft und von dem Angebot nur so semi-überzeugt. Tja, und so kam eins zum anderen. Ich ging nach Wien, machte in einer kleinen Schuhmacherei meine Ausbildung und legte meine Meisterprüfung zur Maßschuhmacherin ab.

 

Als ich 2014 dann an den Palast kam, musste ich mich erst einmal umgewöhnen. Die besondere Herausforderung hier: alle Schuhe müssen bühnentauglich sein und rund 500 Vorstellungen sowie insgesamt zwei Jahre lang bei hoher Belastung halten. Hinzu kommt, dass wir mit sehr unterschiedlichen Materialien (Stoffe, Leder, Kunstleder, Plastik, Gummi, Glitzer, etc.) arbeiten. Jedes Mal, wenn eine neue Produktion ansteht, bekommen wir zunächst die Entwürfe des Kostümdesigners auf den Tisch. Diese Ideen werden dann von uns umgesetzt. Wir beziehen Schuhe mit Stoff, bemalen sie mit Farbe und bekleben sie mit Strasssteinen. Mitunter ist hier viel Kreativität und Phantasie gefragt.

 

Eine spannende Aufgabe waren die Flossenschuhe in THE ONE Grand Show. Wir mussten Schwimmflossen auf 40 Paar Schuhe setzen. Bei der ersten Bühnenprobe lief so einiges schief: Die Tänzer*innen sind sich ständig auf die eigenen Füße getreten. Nach Möglichkeit schaue ich mir immer die ersten Proben an. Denn erst in Aktion entscheidet sich, ob der Schuh auch wirklich passt. In diesem Fall gewöhnte sich unser Ensemble relativ schnell daran.

 

Mein Lieblingsschuh ist und bleibt der Turnschuh. Sneakers kaufe ich mir neu, Ausgefalleneres finde ich oft auf Flormärkten oder Second-Hand Läden. Wenn ich dazu komme, fertige ich mir meine Schuhe aber auch gern selbst an. Je schlichter desto besser. Ich bewundere alle, die bis zu 13 cm hohe Absätze tragen. Das könnte ich nicht! Neben Schuhen stelle ich in meiner Freizeit Taschen aus recyceltem Möbelleder her. Und wenn ich mich mal nicht mit Schuhen oder Taschen beschäftige, gehe ich gern ins Ballett. Pina Bausch finde ich toll oder auch das Triadische Ballett von Oskar Schlemmer.“

 

Fotos: Dennis Weinbörner

Zum Seitenanfang