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Marion Flöter, Kostüm

Ankleiderin | seit 1980 am Palast

„Ich kenne jeden Stein im Palast, vom Keller bis zum Dach. Kein Wunder, ich bin ja auch schon seit 1980 mit dabei, erst als Solistin im Ballett, seit 2002 dann im Kostümfundus und nun als Ankleiderin. Tatsächlich stand für mich schon als junges Mädchen auf der Ballettschule fest: Fernsehballett oder Friedrichstadt-Palast! Und als ich die Wahl hatte, entschied ich mich sofort für den Palast. Warum? Weil jeder Auftritt eine neue Chance ist, den besten Tanz deines Lebens vorzuführen. Nichts ist abgedreht und fertig, jede Show bietet immer wieder Herausforderungen und Steigerungspotential.

 

Begonnen habe ich im Sommer 1980 – zu dem Zeitpunkt, als das alte Haus aufgrund statischer Probleme für immer schließen musste. Trainiert hatten wir dort trotzdem noch. Und dann ging es auf Tour: Warschau, Budapest, Moskau, Leningrad. Vier Jahre reisten wir durch die ehemalige UdSSR und die DDR. Eine tolle Erfahrung! Gerne denke ich an die Zeit, als ich im neuen Palast mit meinem Bruder zusammen bei ‚Wie ein Vogel schwerelos‘ (1991) auf der Bühne stand. Auch wenn das ausgeschlagene Vorderzähne für mich bedeutete, weil wir beim euphorischen Gegenübertanzen mit unseren Köpfen zusammengestoßen sind. Heute kann ich darüber lachen, und die Zähne sind auch wieder dran 😉

 

22 Jahre habe ich am Palast getanzt – mein absoluter Traumberuf. Aber dann war es Zeit, den Jüngeren Platz zu machen und die (professionellen) Tanzschuhe an den Nagel zu hängen. Doch am Palast bleiben, wollte ich unbedingt. Als Ankleiderin begleite ich sieben Tänzerinnen durch die Vorstellungen: Ich helfe bei den Umzügen – hier muss es schnell gehen! –, prüfe die Kostüme auf Schäden und flicke gegebenenfalls kleine Löcher oder abgerissene Knöpfe. Das Publikum kriegt das zwar alles nicht mit, aber wir hier hinter der Bühne sind alle Teil einer gut geölten Maschine, die die Show so erst möglich macht.

 

Ich liebe es, mit den jungen Damen zusammen zu arbeiten. Auch weil ich mich so gut in sie reinversetzen und mit dem einen oder anderen Ratschlag unterstützen kann. Sie sind ein bisschen wie meine Kinder – du bist dabei, wenn sie das erste Mal in das Kostüm reinschlüpfen und das erste Mal auf die Bühne gehen, du siehst, wie sie sich entwickeln und wachsen. Das macht einen stolz!

 

Wenn ich mich nicht um die Tänzerinnen oder Kostüme kümmere, verbringe ich viel Zeit mit meinem Haus und Garten. Und wann immer ich einen Abend frei habe, gehen mein Mann und ich auf kulinarische Entdeckungstour im Umland. Empfehlen kann ich besonders den Griechen am Zeuthener See – deren Olympia-Salat ist mein absoluter Favorit.“

 

Foto: Dennis Weinbörner

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