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Johannes Gundlach, Maske

Maskenbildner | seit 2013 am Palast

„Als Maskenbildner denke ich häufig: ‚Weniger ist einfach mehr!‘ Das gilt natürlich nur für den Alltag, nicht für das Show-Make-up im Palast 😉 Auf unserer riesigen Theaterbühne ist ausdrucksstarke Bühnenschminke angesagt, die Gäste sollen ja schließlich die Gesichter des Ensembles erkennen. Bei 100 Künstler*innen, die fast jeden Abend auf der Bühne stehen, keine leichte Aufgabe. In jeweils 15 Minuten müssen alle Tänzer*innen, Artist*innen und Solist*innen perfekt für ihren Auftritt gestylt sein, inklusive Perücke. Dementsprechend arbeiten wir – im Durchschnitt elf Maskenbildner*innen pro Vorstellung – nach einem strengen Plan, zwei Minuten sind da viel Zeit!

 

Pinseln, Pudern und Frisieren ist aber nicht alles, was zum Job eines Maskenbildners dazugehört. Einen Teil meiner Arbeitszeit verbringe ich auch in unserer Werkstatt. Hier wird zum einen repariert, beispielsweise Perücken für die laufende Produktion. Schließlich sollen diese über die ganze Spielzeit genauso toll aussehen wie zur Premiere. Zum anderen erstelle ich hier Neuanfertigungen für die kommende Grand Show und Kindershow.

 

Die plastische Arbeit genieße ich sehr, sei es nun das Modellieren, Bauen oder Perücken knüpfen. Letzteres ist zwar der Graus für alle Auszubildenden, aber ich finde, es hat etwas Meditatives. Ein Highlight ist es natürlich, wenn ich meine Kreativität ausleben kann. Zwar kriegen wir die Entwürfe von der/dem Ausstatter*in, aber die Umsetzung liegt bei uns. Dann heißt es: Echthaar, Filz, Schaumstoff oder gar Plastikfolie – welches Material eignet sich am besten, was ist tragbar und nicht zu schwer? Da wird viel probiert, immer wieder stöbere ich durch Baumärkte und Bastelgeschäfte. Bei THE ONE Grand Show durfte ich sogar einen ‚Special Effect‘ erschaffen: Die zwei zusätzlichen Köpfe und Busen für das Kostüm der dreiköpfigen Frau habe ich zusammen mit einer Kollegin gebaut 💪

 

Zum Palast kam ich 2013, gerade als die zweite Spielzeit von SHOW ME begann. Zu der Zeit hatte ich bereits an ‚normalen‘ Theatern mit wechselndem Spielbetrieb gearbeitet. Dass ich im Palast abends immer einen ähnlichen Ablauf habe, stört mich nicht. Wir lachen viel und sind eine große Familie. Manchmal kann es natürlich auch stressig werden, besonders, wenn man sich im Palast verläuft… Das ist mir einmal bei THE WYLD passiert. Ich musste während der Vorstellung zu einem schnellen Kostümwechsel neben der Bühne – und stand auf einmal mit zwei Perücken im Foyer! Gott sei Dank hat mir ein Kollege schnell den richtigen Weg gewiesen und es hat alles noch rechtzeitig geklappt. Puh!

 

Um wieder herunterzukommen, restauriere ich an meinen freien Tagen alte Möbel. Oder ich spanne mir ein Zelt auf den Rücken und gehe ins Grüne wandern. Mein Tipp: die Sächsische Schweiz oder das Moseltal.“

 

Foto: Dennis Weinbörner

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