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Hans-Jochen Rosenbaum, Technische Direktion

Stv. Leiter für Gebäude- und Bühnenleittechnik und Leiter Hydraulik | seit 1984 am Palast

Hans-Jochen Rosenbaum

 

„Kulissen bauen – das sollte eigentlich meine Aufgabe am nigelnagelneuen Friedrichstadt-Palast werden. An meinem ersten Arbeitstag, dem 1. März 1984, kam dann aber doch alles anders: Die Schlosserei war schon komplett besetzt. Kurzerhand wurde ich also in die neugeschaffene Abteilung Hydraulik gesteckt. Eine ganz schöne Überraschung! Aber ich bewarb mich ja auch am Haus mit dem Ziel, nicht nur etwas Neues, sondern auch Herausforderndes zu machen – und hier bot sich die perfekte Chance. Nach 33 Jahren in diesem Job und der stellvertretenden Leitung für Gebäude- und Bühnenleittechnik (GBLT) kann man wohl sagen, es war die richtige Entscheidung 😉

 

Die Hydraulik war damals übrigens noch im Entstehen. In den ersten Wochen konnten wir nicht an die Maschinen, da haben wir Regale gebaut. Die stehen heute noch im Lager. Als wir uns dann mit den Anlagen vertraut machen durften, merkte man schnell: Das ist etwas ganz Besonderes. Das Hubpodium, die Punkt- und Maschinenzüge, die Eisfläche, das Wasserbecken gab es hier im neuen Palast so zum ersten Mal in ihrer Art. Und sie funktionieren heute genauso gut wie bei ihrer Inbetriebnahme.

 

In der GBLT sind wir dafür zuständig, dass der Bereich Ober- und Untermaschinerie technisch einwandfrei läuft und den TÜV-Bestimmungen entspricht. Kontrollieren, Warten, Instandhalten, das hat oberste Priorität. Denn jedes Mal, wenn sich die Bühne bewegt oder Artist*innen herbei schweben, stecken wir dahinter – und sind für die Sicherheit aller verantwortlich. Da ist es wichtig, dass man ein eingespieltes Team ist. Besonders mit meinem Kollegen Martin verstehe ich mich blind. Speziell beim Einfliegen der Künstler*innen während der Show übernehmen wir eine wichtige Vertrauensposition, die lange und intensiv aufgebaut werden muss.

 

Nicht jede*r kann sofort aus 15 Metern herunterkommen, hier bedarf es Feingefühl. Ich erinnere mich, dass Kim Fisher bei der Show REVUEPALAST von oben auf die Vorderbühne fliegen musste. Ein Albtraum, wenn man Höhenangst hat! Wir haben uns dann step-by-step vorgetastet. Zuerst standen wir auf der Bühne, dann ging es Meter für Meter höher – bis wir schließlich beim sogenannten ‚Catwalk‘ oben ankamen. Das ist gar kein Einzelfall. Eine Sängerin hatte sich einmal so an mich gewöhnt, dass sie nach dem Schichtwechsel gar nicht nach oben wollte. Es ist schon ein tolles Gefühl, dabei behilflich zu sein, Ängste zu überwinden.

 

Wenn ich nicht Artist*innen betreue, Dienstpläne schreibe oder in Meetings bin, zieht es mich ins Grüne zum Golfen mit meiner Frau. Hierbei schalte ich komplett ab und kann total entspannen. Die Armkraft für den perfekten Schwung habe ich mir schon als junger Mann beim Rudern angeeignet. Über den Leistungssport kam ich 1976 überhaupt aus Thüringen nach Berlin. Zwei Jahre später feierte ich als Junioren-Vize-Weltmeister in Belgrad meinen größten Erfolg. Zu den Weltmeisterschaften im Golfen werde ich es wohl nicht mehr schaffen, aber die schönsten Plätze zu bespielen, das wäre was. Mein Favorit bis jetzt: Seefeld-Wildmoos in Tirol.“

 

 

Foto: Dennis Weinbörner

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