Doris Plog, Personalwesen

Leiterin Personalwesen | seit 1990 am Palast

Doris Plog

„Es war eine wilde Zeit, als ich am 1. Januar 1990 am Friedrichstadt-Palast angefangen habe. Vor Arbeitsantritt war ich mir nicht einmal sicher, ob ich noch gebraucht werde! Das Einstellungsgespräch fand nämlich bereits im August 1989 statt – für eine Position in der Abteilung ‚Reise und Visa‘, die mit der Wende überflüssig wurde. Ich sollte trotzdem kommen, denn das Personalwesen stand vor einer großen Herausforderung: Von 0 auf 100 mussten alle Gesetze, Rechtsprechungen und Vorgaben der BRD neu gelernt und umgesetzt werden. Keine leichte Aufgabe! Doch als Team, dessen Leitung ich dann 1991 übernahm, meisterten wir diese mit Bravour.
 
Das Personalwesen ist steter Begleiter der Belegschaft im Palast: Von der Bewerbung über die Mütterbetreuung bis hin zur Gehaltsabrechnung oder der Vorbereitung auf den wohlverdienten Ruhestand – wir sind immer mit dabei. Das klappt nicht ohne viel Organisation und Schriftverkehr. Am meisten Spaß macht aber der persönliche Kontakt mit den Kolleg*innen. Ganz toll ist es natürlich immer dann, wenn wir ihnen helfen können, zum Beispiel bei Problemen mit der Krankenkasse oder aber auch beim kurzfristigen Vermitteln von Arbeits- und Aufenthaltserlaubnissen. Das ist bei einem Haus, in dem Künstler*innen aus mehr als 27 Nationen beschäftigt sind, keine Kleinigkeit.
 
In meiner Zeit hier habe ich so einiges erlebt. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie stark der Zusammenhalt im Ensemble ist. Viele arbeiten schon seit Jahren hier, dieses Miteinander spürt man und es wird auch an die jungen Mitarbeiter*innen weitergegeben. Seit 1984 haben sich übrigens über 22.000 Menschen initiativ am Palast beworben. Kleiner Tipp: Bei Bewerbungen achten wir auch auf die richtige Schreibweise des Hauses – Friedrichstadt-Palast (mit Bindestrich) ;-)
 
Doch nicht nur 27 Jahre im Personalwesen verbinden mich mit dem Palast. Schon als junges Mädchen habe ich das Haus geliebt. Da stand das Theater noch an seinem ursprünglichen Platz, zwischen Berthold-Brecht-Platz und Am Zirkus 1. Gern habe ich die Revuen gesehen – auch wenn man in der sogenannten Stalaktitengrotte immer eine Säule vor sich hatte, die einen den Blick verdeckte. Mein Bruder arbeitete im alten Palast unter anderem in der Werbung. So konnte ich bei Besuchen ab und an hinter die Kulissen schauen.
 
Nie vergessen werde ich, wie man vom Bühneneingang direkt auf eine riesige Treppe zuging – ähnlich der Showtreppe in THE ONE Grand Show – und wie aufregend es war, wenn bekannte Solist*innen wie Elke Rieckhoff dort an einem vorbei kamen. Unter den Bögen im Garderobenbereich verkaufte ich Amiga-Schallplatten – ich schmunzle noch heute immer wieder darüber. Wenn ich mir jetzt unsere aktuellen Grand Shows ansehe, versuche ich immer, in Reihe 18 auf Platz 27 zu sitzen. Mein Lieblingsplatz, mit dem ich viele Erinnerungen verbinde.
 
Nach Feierabend und am Wochenende findet man mich ab und an über den Dächern Berlins, zum Beispiel im Restaurant des Fernsehturms. Hier genieße ich die ideale Sicht auf die ganze Stadt. Die Aussichtsetage in 203 Meter Höhe ist der perfekte Ausgangspunkt für das Erzählen von Berlins vielfältiger Geschichte – von dort kann man bei gutem Wetter bis zu 80 Kilometer weit gucken. Auch sonst ist meine Heimatstadt Berlin absolut empfehlenswert: Weil man hier so viele persönliche Freiheiten hat. Und wegen der unzähligen Möglichkeiten, die man zwar nicht nutzt, aber hätte.“

 

Fotos: Dean Barucija

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