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Beate Petzold, Plastik

Leiterin Plastikwerkstatt | seit 1985 am Palast

Beate Petzold

„Ob übergroße Schweine, verspielte Hexenhäuser, Geweihe, begehbare Riesenhände oder Fliegen, aus denen Künstler*innen herauskommen sollen – in der Plastikwerkstatt herrscht nie Langeweile. Genau das ist es auch, was ich an meinem Beruf so liebe. Müsste ich noch einmal wählen, ich würde wieder Plastikerin werden.
 
Begonnen hat alles am Landestheater Altenburg, wo ich zuerst als Autodidaktin arbeitete. Später hospitierte ich bei Eddy Fischer – dem Theater- und Kostümplastiker der DDR – und machte mit einem Bildhauer als Mentor meinen Abschluss an der Staatsoper. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits am Friedrichstadt-Palast. Nach neun Jahren in Thüringen zog es mich in meine Heimat, dem Berliner Umland, zurück. Eine Stelle als Plastikerin wurde frei und auf Anraten eines Bekannten bewarb ich mich: Mit Erfolg, wie man sieht.
 
Alles, was plastisch auf der Bühne zu sehen ist, ging durch meine Hände. Von den Requisiten zu Kostümteilen, die nicht aus Stoff sind, zum Beispiel ein zusätzliches Paar Beine. Dabei arbeite ich mit Styropor, alle Arten von Schäumen, Ton, Gips, PVC-Folien, Ausgießmassen, Stoff, Federn usw. Mir gefällt gerade diese Vielfalt. Man bekommt die Vorlage, was auf der Bühne sein soll und dann heißt es: Grübeln, Basteln und Ausprobieren. Was für ein Gestell benötige ich als Basis für die Plastik vom Schlosser? Welches Material passt hier am besten? Wie bilde ich die Facettenaugen von Insekten authentisch nach? Bei THE ONE Grand Show hatte ich noch bis zum letzten Tag zu tun.
 
Für die Produktion ‚Elements‘ aus dem Jahr 1999 bauten wir damals einen Medusa-Kopf in der Art des Künstlers und ‚Alien‘-Vaters HR Giger, der fünf Meter hoch und zehn Meter breit war. Doch nicht nur die Größe war besonders, sondern auch, dass der Frauenkopf hohl sein musste. Der Grund: Während der Show öffnete sich dieser und offenbarte im Inneren ein Raumschiff. Mit Säge, Messer und Feile bewaffnet, arbeitete ich drei Monate lang mit zwei weiteren Plastikerinnen an dem Objekt. Eine spannende Herausforderung!
 
Ich baue nicht nur gerne fürs Theater, ich gehe auch gerne hin. Besonders ins Berliner Ensemble. Aber auch die Oper oder die Museumsinsel besuche ich immer wieder. Kultur allgemein interessiert mich sehr. Ganz toll finde ich, dass die Berlinale auch im Palast stattfindet. Für mich ist sie eine wirkliche Bereicherung, besonders die vielen ausländischen Filme, die man hier entdeckt. Mein absolutes Berlinale-Highlight bis jetzt: Der türkische Film ‚Honig‘ von Regisseur Kaplanoglu, der 2010 den goldenen Bären gewann.“

 

Fotos: Dennis Weinbörner

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