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Alexandra Georgieva, Ballettdirektion

Ballettdirektorin & Choreographin | seit 1990 am Palast

„Am 11. Dezember 1990 stand ich das erste Mal in meinem heutigen Büro. Ein Raum voll mit aufgeregt strahlenden Menschen, die redeten, grinsten – und ich. Kein Wort Deutsch verstand ich damals. Zwar war auch eine Kollegin als Übersetzerin dabei, doch sie meinte immer nur: ‚Sag einfach, ja!‘

 

Es stellte sich heraus, dass mir die Ballettleitung einen Vertrag für sechs Monate als Tänzerin am Haus anbot. Ich war völlig perplex, wurde ich doch mehr oder weniger während meines kurzen Berlin-Besuchs zum spontanen Vortanzen überredet. Relativ schnell zog ich dann aber doch mit Kind und Kegel von Bulgarien an die Spree – obwohl ich die Sprache nicht konnte. Doch im Tanzen ist das kein Problem, man verständigt sich mit dem Körper. Heute weiß ich, es war die einzig richtige Entscheidung – schließlich bin ich immer noch hier 😉

 

24 Jahre stand ich auf der Bühne, davon 18 auf der größten Theaterbühne der Welt. 2008 beendete ich meine Tanzkarriere, blieb dem Palast und der Welt des Tanzes als Ballettdirektorin aber treu. Als solche manage ich diese erstklassige Compagnie, auf die ich unglaublich stolz bin. Tanzen ist ein harter Beruf, der absolute Leidenschaft und riesiges Engagement voraussetzt. Ich selbst vermisse es eigentlich nicht, nur dieser Rausch des Applauses – er fehlt mir ab und an. Nichts ist so erfüllend.

 

Darüber hinaus organisiere ich den gesamten Trainings- und Probenablauf, koordiniere zwischen allen Abteilungen, vor allem im Vorfeld einer neuen Grand Show. Dann suche ich auch nach Tanzstilen, Talenten und Choreograph*innen, so wie Brian Friedman, den wir für THE ONE Grand Show gewinnen konnten. Denn der Tanz entwickelt sich immer weiter und wir wollen natürlich ganz vorne mit dabei sein. Deswegen pflege ich einen engen Kontakt zur internationalen Szene, besuche viele Aufführungen, verfolge Trends in Amerika, Südkorea, Israel, China und Europa. Dies hilft mir auch bei meinen eigenen Choreographien, wie zum Beispiel für die Girlreihe.

 

Warum ich inzwischen frische 28 Jahre am Palast bin? Weil hier jeder Arbeitstag mit einem Lächeln beginnt! Vom Empfang über die Kolleg*innen im Facility Management bis hin zur Gästebetreuung, der Theaterkasse, der IT oder Technik – wenn ich mein Büro in der dritten Etage erreicht habe, sind mir so viele strahlende Gesichter entgegengekommen, dass ich mit positiver Energie aufgeladen bin. Natürlich gibt es im Alltag auch hier Höhen und Tiefen, doch dieses Miteinander am Palast macht die hohe Qualität unserer Arbeit aus.

 

In meiner Freizeit bin ich viel unterwegs – im Theater, auf Reisen, in Konzerten. Doch was ich wirklich am meisten liebe: Sudoku spielen! Schon immer habe ich Mathe geliebt, ich glaube deswegen funktioniert es auch, die Girlreihe zu choreographieren 😊 Zudem verehre ich die Berliner Philharmonie. Einmal habe ich es sogar geschafft, dass das gesamte Ballettensemble Sir Simon Rattle und sein Orchester treffen konnte. Das war ein wirkliches Highlight! Und wer weiß, vielleicht besucht uns irgendwann Ohad Naharin, der zu den weltweit führenden zeitgenössischen Choreographen zählt. Ich bleibe am Ball.“

 

Fotos: Dennis Weinbörner

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